Ein heißer Sommer - August 1972 in Maxhütte-Haidhof
Das Volksfest 1972 - Erzählungen aus dem Stadtarchiv
Am Freitag, den 11.08.1972 informierte die Mittelbayerische ihre Leserinnen und Leser über den Beginn des Volksfestes in Maxhütte-Haidhof. Bereits in der Überschrift wurde die Feststellung getroffen: „Es ist größer und schöner als seine Vorgänger.“ Ein auf derselben Seite abgedruckte Werbeanzeige präsentierte das Programm der Veranstaltung. Das Volksfest dauerte fünf Tage, vom Freitag, den 11. August, bis zum Feiertag Mariä Himmelfahrt am 15. August, da dieser 1972 auf einen Dienstag fiel. Auch die Annonce in der MZ versäumte es 1972 nicht, darauf aufmerksam zu machen, dass das hiesige Volksfest in diesem Jahr „noch größer!“ und „noch schöner!“ ausfiel. Um die Veranstaltung für die Besucher und die Kinder attraktiver zu machen, hatten die Organisatoren sogar eine Raubtierschau engagiert.
Veranstaltungsort war traditionell der Volksfestplatz hinter der Regensburger Straße (Hermann-Ehlers-Straße). Das letzte Volksfest in der Stadt fand jedoch bereits 1974 statt. Da der Versuch einer Wiederbelebung am Ende der 70er Jahre nicht glückte, wurde das Gelände schließlich verkauft und anderweitig genutzt. Bis vor kurzem befand sich hier der Rewe-Markt.
Traditionell wurde das Volksfest mit einem Standkonzert auf dem Rathausplatz am Freitag um 18.00 Uhr eröffnet, im Anschluss daran erfolgte der Bieranstich im nahegelegenen Festzelt. Wie damals allgemein üblich, fand am Sonntag um 10.00 Uhr ein Boxkampf statt. Höhepunkt war der Montag, da am Dienstag wegen des Feiertags alle ausschlafen konnten. Die Veranstalter engagierten oberbayerische Jodlerinnen (Miesbacher Dirndln, Jodlertrio Irene Robl), den Komiker Freddy May und als Moderator Kurt van Fliet. Die beiden letzteren sind inzwischen weitgehend in Vergessenheit geraten, die Anzeige bewarb jedoch K. van Fliet als „Conférence“ und mit dem Zusatz: „Humor aus dem Königlich-Bayerischen Amtsgericht.“ Die Fernsehserie „Königlich Bayerisches Amtsgericht“ war damals unglaublich populär und lief zwischen 1969 und 1972 mit über 50 Folgen im ZDF.
Das Volksfest 1972 wäre nicht weiter bemerkenswert, wenn es am Dienstag nicht zu einem Vorfall gekommen wäre: In der Donnerstagsausgabe schrieb der damalige Lokalredakteur der MZ für das Städtedreieck, Konstantin Lochner, der über einen beträchtlichen Sinn für Humor verfügte: „‘Oans, zwo – gsuffa‘ schrien die Festzeltbesucher in Maxhütte und es war der reinste Begeisterungssturm. Später sagten einige Festzeltler recht kleinlaut, sie hätten das Gefühl gehabt, ‚daß mir beinah dasuffa war’n‘.“ Was war geschehen? Um 20.00 Uhr bildete sich ein heftiges Gewitter, dass im gesamten westlichen Landkreis zu schweren Verwüstungen führte, im Festzelt aber einen Teil des Daches wegriss. Der Festwirt behielt die Nerven und verhinderte so eine Panik, indem er auf dem Podium die Durchsage machte, dass das Zelt absolut standfest sei. Aus Sicherheitsgründen wurde anschließend kein Bier mehr ausgeschenkt, was zu Protesten von jüngeren Besuchern führte. Die Brauerei beklagte sich anschließend, dass sie deswegen 30-40 hl weniger verkauft hatte.
Olympiade in München
Der August 1972 ist auch aus einem anderen Grund für Maxhütte-Haidhof bemerkenswert: Ganz Deutschland fieberte damals der Eröffnung der Olympischen Spiele in München am 26.08. entgegen. Das olympische Fußballturnier fand allerdings nicht nur in München statt, sondern wurde dezentral in sechs bayerischen Städten ausgetragen, u.a. auch in Regensburg. Der SSV Jahn Regensburg stellte dafür sein Stadion zur Verfügung. Im Umkehrschluss bedeutete dies, dass dem Verein für die Heimspiele kein Platz mehr zur Verfügung stand, da der Rasen für die Olympiade geschont werden musste.
Aus diesem Grund wich der Jahn nach Maxhütte-Haidhof aus. Hier beim FC war seit 1969 das Spielfeld und die Tribüne neu errichtet und am 18.07.1971 mit einem Spiel gegen Jahn Regensburg eingeweiht worden. Am Samstag, den 12.08. wurde deswegen das Regionalligaspiel SSV Jahn Regensburg gegen Hessen Kassel um 17.00 auf dem Platz des FC Maxhütte-Haidhof ausgetragen. Das Spiel ging unentschieden aus, zog allerdings 6000, möglicherweise sogar 10 000 Zuschauer an. Die Polizei hatte bereits vorher Parkmöglichkeiten in der MZ veröffentlicht, um ein Verkehrschaos zu verhindern. Da der Samstagnachmittag schwül-warm ausfiel, versorgten sich alle Besucher mit reichlich Bier, was aber zu keinen größeren Problemen führte, außer dass der Platzwart sich anschließend um eine Vielzahl von leeren Bierflaschen zu kümmern hatte. Im vorausgegangenen Spiel gegen Darmstadt 98, das ebenfalls in Maxhütte-Haidhof stattfand, hatten die abfahrenden Autos noch die damalige B15 bis Ponholz blockiert. Diesmal entzerrte sich die Abreise, da viele nach dem Spiel vermutlich noch das Volksfest besuchten.
Quelle: Dr. Thomas Barth, Archivar
